Musisch-kreative Anregungen




Auf den ersten Blick mögen die wenigen, hier auf der Website vorgestellten Spiele und "Übungen" als sehr simpel erscheinen. Aber das täuscht! Schon Friedrich Schiller meinte, dass "der Mensch nur spielt, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt" *. So betrachtet erlaubt gerade auch die spielerisch-künstlerische Beschäftigung mit dem eigenen oder dem Leben Nahestehender teils ungeahnte Zugänge zu unseren Emotionen, hilft musisch-kreativ bis dahin verschlossene Herzen wieder peu à peu zu öffnen.

Vor allem mit Musik, die keiner Worte bedarf. Diese "Sprache" wird auch ohne Übersetzung von allen Menschen verstanden, weil sie ganz direkt unser aller Seelen und Herzen anspricht und vereint. Unüberhör- und sehbar beispielsweise auch beim Abschlusskonzert der Rolling Stones der "Sixty"-Tour am 3. August 2022 mit 20.000 Fans in der Berliner Waldbühne. Vor 60 Jahren ahnte niemand, dass die Band über Jahrzehnte die größten und schönsten Arenen weltweit füllen würden. HörTipp: rbb online | AL

In der Musik spürbar vereint waren Menschen beispielsweise auch bei den spontanen Mauerfall-Konzerten 1989 in Berlin mit so großartigen Gefühlen von Freiheit:

Nach dem Motto "Wir leben noch | Der Himmel kann warten" hatte im August 2013 ein „Jungbrunnen-Chor“ seine Premiere. Seither hat er bei seinen mehr als über 70 Auftritten vor meist ausverkauften Häusern inzwischen eine große Fan-Gemeinde um sich versammelt. Wen wundert's? Stehen doch bei den über 30 Sänger:innen doch ausschließlich die Hits ihrer Enkel auf dem Notenblatt. Und so überrascht es kaum noch, dass der Chor ein Experiment wagte. Gemeinsam mit der Heavy Metal-Band "Lord Of The Lost" sang der Chor "We Were Young" 2020 im Studio ein | Napalm Records:

Die halbstündige ZDF-Dokumentation über den HEAVEN CAN WAIT CHOR kann noch bis April 2025 in der Mediathek angeschaut werden: Ein Senioren-Chor, eine Metal-Band, ein Song | Leidenschaft im Alter! Die Biografie der über 90-jährigen Chorsängerin Ruth Rupp ist nachzulesen im Buch: Der Traum vom Leben in dir


Die Besonderheit des Musikgedächtnisses und die damit verbundene intensive emotionale Verankerung funktioniert selbst bei an Demenz erkrankten Menschen. Davon weiß insbesondere das Projekt "Klang und Leben" seit langem schon zu berichten. Aber auch die Schauspielerin Annette Frier und Musiker Eddi Hüneke. Sie gründeten 2020 einen Chor für Menschen mit Demenz. Begleitet wurden die Sänger:innen von der Uni Frankfurt. Forscher:innen wollten herausfinden, wie sich das Singen auf das Wohlbefinden und den Lebensmut der Frauen und Männer auswirken kann. Mehr dazu in der ZDF-Mediathek: Unvergesslich | Unser Chor für Menschen mit Demenz. Fast zeitgleich startete auch das Projekt »resonare« der Manfred-Strohscheer-Stiftung mit einer Auftaktveranstaltung im großen Saal der Komischen Oper Berlin. Ergänzende Beispiele für's Kreativ sein mit Musik, Bildern, Texten, Filmen, Theater u. a. m. :

Kreativ sein mit Musik, Bildern, Clips, Texten, Dokumenten u. a. m.

Es bleibt sicher die Ausnahme, dass Menschen beim Hören bestimmter Musiktitel keine passende Geschichten parat hätten, die schon immer mal erzählt werden wollte. Der ehemalige Musikredakteur Wolfgang Martin zumindest weiß genug zu erzählen in seinem Buch "Wie die Westmusik ins Ostradio kam". Auch der Schauspieler und Sänger Jan Josef Liefers, der nicht nur von einer, sondern gleich von mehreren Musikerinnerungsgeschichten zu berichten weiß. Mit selbigen - erzählt im Buch "Soundtrack meiner Kindheit" - ging er im Erscheinungsjahr mit seiner damaligen Band auf Deutschlandtour: Soundtrack meiner Kindheit | Passt zum Musiktalk, in dem Max Mutzke prominente Gäste mit den Liedern vorstellt, die ihr jeweiliges Leben in irgendeiner Weise prägten: "Lebenslieder" | AL

Auch der 2019 vielfach preisgekrönter Kinofilm über den begnadeten DDR-Liedermacher Gerhard Gundermann schafft es auf geradezu virtuose Weise, die ganze Komplexität deutsch-deutscher Geschichte von 1975 bis in die Nachwendezeit OHNE Schwarz-Weiß-Malerei zu zeigen: Gundermann

Das Ausgraben längst verloren geglaubter Freizeitaktivitäten und Hobbys als ein weiterer Aspekt von Biografiearbeit bietet immer auch "Musikspiele" an - wenn auch manchmal nur im weitesten Sinne. Einige können sich dann so gestalten, dass Teilnehmende kleine Musikinstrumente oder ganz einfach nur ihre Lieblingsmusik mit in die Runde einbringen. Ob dabei die Lieder und Tänze live oder aus der Konserve präsentiert werden, spielt keine Rolle. Spiele mit Musik werden in jedem Fall immer zum gemeinsamen Musizieren und Mittanzen motivieren, bei denen sich wie von Zauberhand bis dahin noch bestehende Blockaden lösen. Davon zeugt nicht zuletzt auch ein überaus berührendes Musikprojekt. Nachzuschauen ist diese Langzeitdokumentation noch bis 2024, bei der 50 Grundschüler:innen aus Berlin ein Instrument lernen oder im Chor singen. Das seinerzeit mit einem großem Abschlusskonzert als Ziel im Berliner Konzerthaus: „Don’t Stop the Music




Motiviert fühlten sich bereits Jahre zuvor auch angehende Lehrer:innen - anvertraut waren ihnen Grundschüler:innen im Rahmen eines "Schattenspiel-Workshops". In diesen Stunden - damals ebenso in einer Berliner Schule - wurde nicht nur gesungen, sondern darüber hinaus auch gemeinsam gebastelt: Hintergründe, Tiere aus Zeitungspapier und diverse Utensilien für eine angedachte Schattenspielpräsentation des Kinderliedes

"Alle meine Entchen" nach Janosch | VideoClip von 2004

Folgenden Weblinks, mit denen Sie diese Seite vorübergehend verlassen, führen zu ganz unterschiedlichen Übersichten über und mit Kinderliedern:

Unabhängig davon, dass sich unter einer dieser obigen Übersichten auch Fingerspiellieder wie das des "Kleine Apfels" oder "Himpelchen und Pimpelchen" befinden können: Sind erst einmal Musik Streaming Dienste auf Ihrem Computer, Tablet oder Smartphone installiert, können Sie damit unzählige Sounds aus Ihrer Kindheit und Jugend auf dem jeweiligen Gerät abrufen und sofort in voller Länge anhören: Überblick | Streaming-Anbietern




Der Baum als Lebenssymbol ist bei Menschen schon immer beliebt gewesen. Schon deshalb, weil ein Baum, der mit seinen Wurzeln, Stamm, Früchten, Blüten und Knospen die verschiedenen Lebensphasen symbolisiert, mit sehr viel Phantasie ganz unterschiedlich gestaltet werden kann. Bei der Arbeit daran ist das Reflektieren besonders stark ausgeprägt. Je nach Zeit und Lust können ebenso Zeittafeln, persönliche Landkarten oder auch Lebensräume kreiert werden. Letztere beispielsweise als verweissensitive Grafik - auch genannt Imagemap.


Ebenfalls kann über die Menschen nachgedacht werden, die uns prägten. In welcher spielerisch-künstlerischen Form auch immer das geschehen mag. Anrührend und interessant zugleich ist das gemeinsame Auspacken von so genannten Erinnerungskoffern oder Schatzkisten, deren "Fundstücke" immer ihre ganz eigene Geschichte erzählen lassen. Spaß macht die Gestaltung von mit ausgeschnittenen Bildern aus alten Magazinen zum Thema Ich war, ich bin, ich werde sein. Es ist eine Phantasiereise, die darauf hinzielt, das eigene Leben mit allen bisherigen Tiefen und Höhen anzunehmen, eine Rückschau und Selbstvergewisserung, eine Arbeit an der eigenen Identität. Und nicht zuletzt löst das Würfelspiel mit alten Fotografien größte Erheiterung aus.



Ein Beispiel dafür, wie achtsames Erleben und Wahrnehmen in der Natur zu einer wunderbaren Möglichkeit wird, um sich zu erden, wieder Verbindung aufzunehmen zu dem, was wichtig ist und daraus Kraft zu schöpfen, kann das Schreiben von Haikus sein. Für diese Gedichtform, die aus drei Zeilen zu fünf, sieben und wieder fünf Silben besteht, fokussiert und hält Anja ihre Empfindungen in kontemplativen Momenten fest, die sie überdies in Verbindung mit ihren eigenen Fotos bringt, um darüber hinaus auch ein Stück des Zaubers und der Schönheit der Natur wiederzugeben.

Über Anjas Weg ...




Was ist ein "Literarischen Selfie"? Gertie Wagerer weiß mehr darüber zu berichten: "Sicher kennen Sie auch diese Momente, in denen alles stimmt innen und außen. Gipfelerlebnisse nannte es Abraham Maslow. Manchmal fallen sie mit bedeutsamen biografischen Ereignissen zusammen: jemand hält um Ihre Hand an, die Prüfung ist geschafft, der Berg bezwungen. Es können aber auch scheinbar ganz unbedeutende Gelegenheiten sein, bei denen jemand wie ich, der gerne fotografiert, die Kamera zücken möchte und zugleich weiß, das Wesentliche kann das Bild nicht festhalten: das Schwingen in der Bauchgegend, den Duft der Föhren, die Gedankenblitze im wohlig-förderlichen Gespräch. Da kam mir die Idee, das doch schreibend festzuhalten und ich nenne diese Momentaufnahmen: "literarische Selfies". Weiterlesen ...